30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention - 50 Jahre Amt für heilpädagogische Frühberatung



Editorial, von Samuel Morard, 22. Februar 2019

2019 02 22 ED korczak S Morard«Reformer enden nicht gut. Erst nach ihrem Tod gibt man ihnen Recht und Statuen werden zu ihren Ehren errichtet», schrieb Korczak. Dies erwies sich leider als zutreffend für diesen Arzt, Lehrer, Erzieher, Forscher und polnischen Schriftsteller, der im Vernichtungslager Treblinka mit „seinen“ zweihundert Kindern starb. Gehen wir zurück auf die Gedanken eines Pioniers der Kinderrechte.

Janusz Korczak wurde vor 140 Jahren geboren und war sich der enormen Belastung bewusst, die die sozialen Bedingungen und der Krieg Kindern auferlegte. Er dachte, dass die Bereitstellung von Mitteln, eine Erziehung in einem humanistischen und demokratischen Geiste und damit eine bessere Entwicklung der Kinder, auch eine bessere Gesellschaft bringen würden. 1899 formulierte er das Wesen seiner Philosophie: Kinder sind keine Menschen im Werden, sondern sind bereits solche am ersten Tag ihres Daseins. Aus diesem Grund haben sie ein Recht auf Achtung.

Im Recht des Kindes auf Respekt (1929) , fordert Korczak, dass das Kind nicht nur aus Liebe oder Mitgefühl unterstützt werden soll, sondern wegen seiner Eigenschaft als Inhaber von Rechten geachtet werden muss. Vor der Erkenntnis, dass das Kind «manchmal mit Nachsicht behandelt, manchmal mit Brutalität, aber immer und überall mit derselben Achtlosigkeit» angesehen wird, denunziert er die etablierte Dichotomie zwischen Erwachsenen und Kindern, die als irrationale Wesen betrachtet werden: «Wir arrangieren uns immer so, dass das, was in uns am wertvollsten ist, mit dem, was am schlechtesten ist, gegenübergestellt wird. Was ist mit unserer Brutalität, unseren berüchtigten oder verborgenen Verbrechen? Nur Zwietracht, Tricks, Eifersüchteleien und Lästern! Nur Worte, die weh tun und entwürdigen! Man denke an all die schmutzigen Familientragödien, von denen die ersten Märtyrer die Kinder sind! Und wir haben die Kühnheit, sie anzuklagen?». Dies ist im Einklang mit Stoecklin, der auf der Notwendigkeit der Anerkenntnis der Unvollkommenheit von Erwachsenen und Kindern beharrt, da weder Erwachsene noch Kinder je das Maximum ihres Potenzials erreichen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sie freie und vollständige Wesen sind, völlig menschlich. Korczak fordert deshalb die Achtung aller Bereiche des Lebens des Kindes: für seine Unkenntnis, seine Suche nach Wissen, seine Fehler und Tränen, sein Eigentum und sein Geld, seine Verantwortung und seine harte Arbeit, die im Wachsen besteht, usw.

Die revolutionären Handlungen und Reflexionen von Korczak dienten als Inspirationsquelle für die Erklärung der Rechte des Kindes von 1959 und die Konvention über die Rechte des Kindes von 1989. Beide wurden auf Veranlassung Polens geschrieben. Und seine Ideen haben immer noch einen Vorsprung vor diesen Rechtstexten, die – so meint Edmond Kaiser – von einem leeren Kindesbegriff ausgehen, «indem Sie auf Worte verzichten, die es in seinem Wesen, seinem Leben, seinem Körper, seiner Seele, seinem Glück, seinem Leid, , seinem Martyrium oder Tod ausdrücken». Korczak ging so weit, die mystische Dimension des Menschen anzusprechen, und verlangt «die Achtung, wenn nicht gar Demut vor, der weißen, offenen, makellosen, heiligen Kindheit.» Zwar wurden Statuen zu Ehren dieses Reformators errichtet, doch haben wir seine Botschaft vollständig begriffen?

Bild: Walking Poland Group, flickr / cc

NB: der Inhalt dieses Editorials gibt nicht unbedingt die Meinung der Direktion und des Teams des IDE wieder.

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