Das Jugendstrafrecht beschäftigt sich mit Kindern, die im Konflikt mit dem Gesetz sind (Täter) und Kindern, die in Kontakt mit dem Gesetz sind (Opfer und Zeugen).

Seit seiner Gründung sensibilisiert und fördert das IDE Fachkräfte der Justiz hinsichtlich der richterlichen Intervention mit Kindern und organisiert zahlreiche Weiterbildungsseminare, welche durch Staaten oder UN-Organisationen (bsp. UNICEF) gewünscht werden. Diese finden entweder in Sion oder im Ausland statt. Sie beleuchten die festgelegten internationalen Forderungen der Völkerverträge und versuchen die Regression zu verhindern, welche Null-Toleranz-Politiken in bestimmten Regionen ausleben.

INTERVENTIONSBEISPIELE

In Zusammenarbeit mit dem Justizministerium und der Kooperative Schweiz-Bulgarien wurde ein Programm zum Jugendstrafrecht in Bulgarien gestartet. Ziel ist es, spezielle Gerichte für Kinder in Konflikt und in Kontakt (Opfer und Zeugen) mit dem Gesetz einzuführen und zu festigen. Ausgangspunkte des Programms waren eine Analyse zur Situation der Kindesjustiz, inwiefern sie den internationalen Standards entspricht und welche Reformvorschläge existieren. In einem zweiten Schritt werden die Akteure bei Strafprozessen (Richter, Staatsanwälte, Inspekteure, Sozialarbeiter) in 3 Modulen zu jeweils einer Woche im Februar, Juli und Oktober 2015 weitergebildet. Zusätzlich hat das IDE in einem weiteren Programm zusammen mit der NGO PDJS Anwälte in Bulgarien weitergebildet (zwei Module im Juli und Oktober 2014).

Auf Anfrage der Schweiz und dem Senegal, hatte das IDE eine Jugendstrafrechtausbildung im Senegal in der Periode 2012-2014 für verschiedene Akteure im Senegal durchgeführt. Das Programm teilte sich in fünf Module zur Ausbilderausbildung und richtet sich an alle Beteiligten in Strafprozessen (Polizisten, Staatsanwälte, Richter, Anwälte, Sozialarbeiter, Psychologen und Betreuungspersonen).Die Inhalte der Ausbildung setzen sich aus den internationalen Jugendstrafrechtstandards und der senegalesischen Legislative und Praxis zusammen; sie behandeln insbesondere die Restaurative Justiz und Alternativen zum Freiheitsentzug. In der Ausbildung wurde insbesondere Wert auf die Koordinierung von Akteuren und die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsfelder gelegt und dass die Umsetzung auch in der senegalesischen Realität funktioniert. Das pädagogische Programm beinhaltet die Kombination aus Theorie und Praxis, die Analyse von Fallbeispielen, Rollenspiele und eine aktive Beteiligung der Teilnehmenden.

Diese Ausbildung sollte es jeder Fachkraft ermöglichen selbst als Ausbilder für seine Kollegen zu funktionieren. Es wurden daher mehrere Tage der Methodologie gewidmet, welche die Teilnehmer darauf vorbereitet hat, diese Kompetenzen bereits mit Ende der Ausbildung direkt anwenden zu können.

BEHANDELTE THEMEN

  • Alter der Strafrechtsintervention
  • Nutzen der Inhaftierung vor Urteilsverkündung
  • Freiheitsentzug
  • Rechtssicherheiten, die dem Kind in Konflikt oder Kontakt mit dem Gesetz gewährt werden müssen
  • Maßnahmen zur Rehabilitation und Wiedereingliederung
  • Außergerichtliche Einigung und Mediation
  • Opferhilfe
  • Aufgaben der restaurativen Justiz

Information


Projekt: Jugendstrafrecht
Projektlaufzeit: 2013-2015
Projektleiter:
Jean Zermatten (IDE)

Das Jugendstrafrecht ist ein Bereich, in welchem die internationale Gemeinschaft vieles erlassen hat, insbesondere aufgrund schwerer Verletzungen der Kinderrechte in den Ländern (Festnahme, Festhaltung, systematischer Gebrauch des Freiheitsentzuges). Oft werden die Rechtssicherheiten ignoriert oder verletzt. Eine Anzahl internationaler Instrumente hat sich hierzu entwickelt (Richtlinien von Riad und Havanna, ECOSOC Leitfäden für Kinder als Opfer, Leitfäden für eine an Kinder angepasste Justiz und das General Comment Nr. 10 des UNO-Kinderrechtsausschusses zum Jugendstrafrecht). Es haben sich Änderungen hin zu einer restaurativen Justiz und einer außergerichtlichen Einigung entwickelt. Die UN-Kinderrechtskonvention widmet zwei Artikel dem Jugendstrafrecht (art. 37 und 40) und arbeitet nach dem Prinzip der Würde.

Das Internationale Seminar Sion 1999 hat mehr als 200 Spezialisten aus aller Welt zum Thema „100 Jahre Jugendstrafrecht: Bilanz und Perspektiven“ zusammengebracht.